05.06.2018

von Stiftung Warentest B° RB

Neuer Misch­fonds

Stiftung Warentest. Neuer Misch­fonds: "Zukunfts­fonds" mit ungewisser Perspektive

Stiftung Warentest

Der frühere „Bild“-Chef­redak­teur Kai Diekmann und der Banker Leonard Fischer werben mit großem Aufwand für ihren „Zukunfts­fonds“. Er soll Anlegern als eine Alternative zu Spar­angeboten schmack­haft gemacht werden. Die Experten von Finanztest haben sich das Fonds­konzept genauer angeschaut und sagen, was Anleger davon erwarten dürfen.

Der Fonds strebt zwei bis vier Prozent Rendite an

Der im November 2017 aufgelegte Zukunfts­fonds (Isin: DE 000 A2D TM6 9) wirbt um Klein­anleger, die eine Alternative zu Tages- und Festgeld suchen. Der Misch­fonds strebt eine Rendite von 2 bis 4 Prozent pro Jahr an. Er darf in Aktien, Renten, Edel­metalle und andere Anlagen investieren. Die laufenden Kosten liegen aktuell bei 1,4 Prozent pro Jahr, laut Prospekt ist aber allein eine Verwaltungs­vergütung bis zu 1,75 Prozent möglich. Es gibt keine Erfolgs­gebühr. Anleger können sich mit Sparplänen ab 25 Euro oder Einmalbeträgen ab 1 000 Euro beteiligen.

Anleger haben keine Kauf­kosten

Anleger zahlen für den Zukunfts­fonds keinen Ausgabe­aufschlag. Das ist ein Vorteil gegen­über vielen anderen aktiv gemanagten Fonds. Allerdings gibt es auch bei anderen Fonds einige Möglich­keiten, den Aufschlag teil­weise oder ganz zu vermeiden, vor allem beim Kauf über Fondsvermittler im Internet.

Einstufung als ausgewogener Misch­fonds

Unsere Finanztest-Experten haben den Zukunfts­fonds als ausgewogenen Misch­fonds klassifiziert, da er für bisherige Simulationen eine Aufteilung von rund 25 Prozent Aktien, 15 Prozent Rohstoffe sowie einen 50-prozentigen Geldmarkt- und Renten­anteil zugrunde gelegt hat. Aktuell hat er allerdings noch einen etwa 80-prozentigen Barbestand. Für einen im Aufbau befindlichen Fonds ist das nicht ungewöhnlich. Das aktuelle Fonds­volumen liegt bei nur 12 Millionen Euro. Nach den Vorstel­lungen von Kai Diekmann sollen es irgend­wann mehrere Milliarden Euro sein. Diekmann war viele Jahre Chef­redak­teur der Bild-Zeitung und ist jetzt Kommunikations­vorstand im Unternehmen DFG, das den Zukunfts­fonds aufgelegt hat.

Beim Aktien­teil ganz weit weg vom MSCI World

Die Zusammenset­zung des Zukunfts­fonds wirkt noch provisorisch. Es lassen sich daher keine Rück­schlüsse auf seine Qualität ziehen. Die aktuelle Aktien­auswahl ist allerdings sehr eigenwil­lig. Nimmt man sie als Indiz für die lang­fristige Fonds­struktur, dann hat der Zukunfts­fonds bei seiner Aktien­auswahl wenig mit dem MSCI World, der üblichen Mess­latte für Aktienfonds, gemein­sam. Unter seinen Positionen findet sich keiner der großen Welt­konzerne wie Apple, Microsoft, Facebook oder Johnson & Johnson. Statt­dessen setzt das Management auf Titel wie den Bezahl­dienst­leister Paypal, den norwegischen Ölkonzern Equinor, den japa­nischen Industrieroboterspezialisten Fanuc und das Wert­papier­handels­haus Lang & Schwarz.

Riesen­unterschied zu sicheren Zins­anlagen

Auf ihrer Webseite setzen die Initiatoren ihren Fonds in einen direkten Rendite­vergleich zu Spar­buch und Fest­geld. Das ist problematisch, weil diese Anlageformen insbesondere in Sachen „Sicherheit“ nicht mit einem Misch­fonds vergleich­bar sind. Zwar gibt es Risikohin­weise auf der Webseite, diese kommen aber deutlich unscheinbarer daher als die markigen Rendite­vergleiche, bei denen der Fonds auf den ersten Blick natürlich viel besser aussieht. Tatsäch­lich sind bei einer Aktien- und Rohstoff­quote des „Zukunfts­fonds“ von 40 Prozent im Falle eines Börsencrashs zwei­stel­lige Verluste möglich. Gerade Anleger, die bisher ausschließ­lich sichere Zins­anlagen gewohnt sind, sollten darauf ausdrück­lich hingewiesen werden.

Pantoffel-Portfolio bleibt Topempfehlung

Auch die ausgewogenen Misch­fonds, die schon seit vielen Jahren etabliert sind, kommen in den seltensten Fällen an die Wert­entwick­lung unseres Pantoffel-Portfolios heran. Es ist deutlich kostengüns­tiger als alle aktiv gemanagten Misch­fonds und hat eine verläss­liche Aktienquote. Finanztest hält das für vorteilhaft, da Anleger das gewünschte Risiko selbst fest­legen können. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass es Misch­fonds­managern selten gelingt, die Fonds­zusammenset­zung schnell genug einem veränderten Markt­umfeld anzu­passen. Auf lange Sicht sind Anleger mit einer konstanten Aktienquote besser gefahren.

Tipp: Wer statt eines Pantoffel-Portfolios lieber einen aktiv gemanagten Misch­fonds haben will, sollte die Fondsbewertung von Finanztest zu Rate ziehen. Den von uns topbe­werteten Misch­fonds können wir für die vergangenen fünf Jahre ein stark über­durch­schnitt­liches Chance-Risiko-Verhältnis bescheinigen. Im Gegen­satz zu einem neu aufgelegten Fonds haben sie sich bereits bewährt.

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