03.09.2014

von B° RB

Jugendhilfe bei Strafverfahren

81 Teenager vor den Kadi begleitet: "Begreifen, was ein Faustschlag anrichtet"

Wer zwischen 14 und 20 Jahre alt ist und straffällig wird, der wird automatisch ein Fall für die Jugendgerichtshilfe

Damit es nach der „Jugendsünde“ nicht auf der schiefen Bahn weitergeht: Das Jugendamt in der Stadt Coburg kümmerte sich im Jahr 2013 um 81  junge Menschen, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. Vom Schwarzfahren über den Ladendiebstahl und das Fahren ohne Führerschein bis zur handfesten Schlägerei: „Was die Jugendlichen auf dem Kerbholz haben, ist ganz unterschiedlich. Bevor sie aber vor den Richter kommen, sind sie erst einmal bei uns“, sagt Stephan Barnickel,  Leiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) im Amt für Jugend und Familie.

Wer zwischen 14 und 20 Jahre alt ist und straffällig wird, der wird automatisch ein Fall für die Jugendgerichtshilfe. „Uns interessiert dabei der Mensch, der hinter der Straftat steckt“, so Reinhold Ehl, Leiter des Amtes für Jugend und Familie. „Die Mitarbeiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes bzw. der Jugendgerichtshilfe sprechen intensiv mit den straffälligen Jugendlichen, denn die Straftat ist oftmals die Folge ihres bisherigen Lebens und dies gilt es zu ändern. Daran knüpft auch das Gericht an. Jugendliche werden auf Grundlage des Jugendgerichtsgesetzes sanktioniert und dies hat im Fokus einen erzieherischen Aspekt“, sagt Stephan Barnickel.

Sitzt der Jugendliche dann auf der Anklagebank, ist auch ein Mitarbeiter des ASD mit im Gerichtssaal. Sein Bericht, den er über den jungen Menschen gemacht hat, hat beim Richter Gewicht. Mehr noch: Der Jugendgerichtshelfer macht dem Richter Empfehlungen für geeignete Maßnahmen. „Der Richter erlebt den jungen Straftäter nur für die relativ kurze Dauer des Prozesses. Wir kennen in der Regel eine ganze Menge von dem Menschen – seine familiären Probleme, seine Persönlichkeit, seinen Lebenslauf und natürlich auch seine Stärken“, so Reinhold Ehl, Leiter des Amtes für Jugend und Familie.

Die meisten Fälle seien „Jugendsünden“ – die Straftäter „Eintagsfliegen“, dennoch wird der Jugendliche im Regelfall einer Ahndung zugeführt.
Sollte der Täter sich bei seinem Opfer in irgendeiner Weise um einen Ausgleich gekümmert haben und sich auch für sein Verhalten glaubhaft entschuldigt haben wird dies im Strafverfahren positiv gewertet. Als Strafe kommen dann je nach Delikt, sozialer Einbindung und persönlicher Haltung zur Straftat gemeinnützige Arbeit, Geldbuße, Betreuungsweisung, soziale Trainingskurse, Anti-Aggressionstraining, Arrest oder gar die Jugendstrafe, also das Einsitzen in einem Jugendgefängnis, in Betracht. „Haftstrafen sind aber eher die Ausnahme als die Regel“, sagt Reinhold Ehl.  Lediglich 16 Jugendliche – und damit weniger als 20  Prozent der Fälle – gehörten im Jahr 2013 zu der Tätergruppe, die nicht mehr vor dem Einzelrichter, sondern vor den Schöffen- und Landgericht verhandelt werden mussten. Es ist in Coburg erfreulicherweise festzustellen, dass seit Jahren immer weniger Jugendliche mit dem Gesetz in Konflikt kommen, was auch dem bundesweiten Trend entspricht.

Wenn sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom  Allgemeinen Sozialen Dienst um die Teenager kümmern, dann haben sie immer ein Ziel vor Augen: „Runter von der schiefen Bahn.“ Es gibt Fragen nach den Gründen, warum die junge Mutter im Supermarkt geklaut – und warum der Schüler zur Droge gegriffen hat. Und es gibt Hilfestellung bei der Auseinandersetzung mit der Tat. Stephan Barnickel weiß, worauf es unterm Strich ankommt: „Ein Jugendlicher muss begreifen, was ein Faustschlag anrichtet. Alle wissen, dass sie Mist gebaut haben. Und die meisten Jugendlichen lassen sich auch helfen.“

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